WoW!

Ich bin wieder einmal beeindruckt von der Regenerationsfähigkeit des Körpers. Seitdem ich viel Rohkost esse geht es mir jeden Tag etwas besser und seit ein paar Tagen habe ich das Gefühl, als sei ein Motor in mir angesprungen, der nun sanft in mir schnurrt und irgendsoein Glücks- und Leichtigkeitshormon in mir freisetzt. Dabei bin ich gerade mal bei 60 – 90 % Rohkost je nach Laune. Langsam fühle ich mich wieder wie ein normaler Mensch, meine Symptome klingen täglich weiter ab und ich bin so dankbar nach diesem Höllenritt, mich einfach nur ganz gewöhnlich zu fühlen.

Vor ein paar Tagen habe ich nach mehrmaliger Einladung endlich einmal meine 87-jährige Nachbarin besucht. Ich wohne noch nicht so lange in meiner neuen Wohnung und bisher haben wir immer nur über den Gartenzaun hinweg unseren Plausch gehalten. Sie ist sehr rüstig für ihr Alter, kann aber nur noch zu 80 % sehen, insofern hoffe ich, dass sie die Hundehaufen in meinem Garten nicht erkennen kann. Da es bei uns hügelig ist, liegt ihr Gärtchen ein wenig höher als unserer und sie kann somit direkt in unseren Garten sehen. Als ich neu hier einzog, war ich sehr froh, dass dort so eine freundliche Frau wohnt, die des öfteren sehr schlaue Sachen sagt. Einmal sagte ich ihr, dass ich es bewundere, wie aktiv sie in ihrem Alter noch ist, dass sie noch selbst ihren Garten in Stand hält etc. Daraufhin meinte sie: „Man muss es aber auch wollen!“

Nun also bei ihr im Haus zum Tee: alles ist braun in braun gehalten und auf dem Stand der 70er Jahre. Im Wohnzimmer brennen Energiesparlampen und machen dieses komische flirrende Licht, auf dem Tisch stehen Kekse, Häppchen, Salzgebäck… alles Sachen, die ich im Moment nicht esse. Ich hatte ihr aber vorher schon gesagt, dass ich gerade eine Kur mache und deshalb auch keinen Alkohol trinke, denn eigentlich wollte sie mich auf ein Glas Wein einladen. Ich überlege noch kurz aus Höflichkeit etwas zu essen, sage dann aber freundlich, Nein, tut mir leid, und erkläre ihr nochmal dass ich aus gesundheitlichen Gründen eine Kur mache. „Ich kann ja alles essen“, meint sie. Beneidenswert.

Nun folgt eine Konversation, in der ich ungefähr immer einen halben bis maximal einen Satz sagen kann, bevor sie mir ins Wort fällt und ich dank meiner Höflichkeit zum Zuhören verdammt bin. Ich bin also Stichwortgeberin und verständnisvolle Zuhörerin und innerhalb von einer halben Stunde flammen meine ganzen Symptome wieder auf, Schwindel, Hitze unter der Haut, Taubheitsgefühle. Anderthalb Stunden halte ich aus und mache mich dann aus dem Staub, nicht ohne sie vorher zu einem Canasta-Abend bei uns Zuhause einzuladen. Ich bin vollkommen entsetzt wie empfindsam ich auf die Bedürfnisse einer armen, alten Frau reagiere, die wahrscheinlich einfach nur ein wenig einsam ist. Aber dann dämmert mir, dass dies haargenau die Dynamik mit meiner eigenen Mutter wiederspiegelt. Sie redet, ich höre zu, sie lädt ihren Kram bei mir ab und kommt nicht auf die Idee, mich mal zu fragen, wie es mir eigentlich geht oder irgendein Interesse an meinem Leben zu signalisieren. Puh!

Wieder Zuhause wasche ich mir meinen eigenen Psychofilm in der Badewanne ab und spacke dann mit einer guten Freundin in der Küche rum, schüttle mich und mache komische Geräusche. Uuuuuh… Ahhhh… Grrrrr… Das hilft! Innerhalb von einer halben Stunde klingen die Symptome wieder ab. Wir machen dann noch eine schöne Meditation zusammen und halten uns ein bisschen im Arm und machen Witze. Schwesterliebe hilft zum Glück gegen fehlende Mutterliebe.

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