Der Wald ist voller Jogger und Crossbiker an diesem Wochenende. Wie es scheint, haben sich eine Menge Leute mehr Bewegung vorgenommen zum Neujahrsanfang, denn sonst bin ich meist allein hier unterwegs, vor allem, wenn es nieselt.

Meine Nerven sind ein bisschen runter, ich bin premenstruell, meine ältere Hündin wird grad läufig und ist auch ein wenig zickig, und als ein Crossbiker mit quietschenden Bremsen an uns vorbeirast, erschreckt sie sich so sehr, dass sie nun jeden Fahrradfahrer anbellt. Und die Kleine tut es ihr sofort nach. Also müssen die beiden an die Leine, was ich hasse, denn die beiden ziehen mich nun durch den Wald.

Am Fluss angelangt, lasse ich sie wieder frei laufen. Hier im Sand sind keine Fahrräder unterwegs.

Es fällt  mir schwer unter Stress noch auf meinen Körper zu hören, seine Stimme ist wie zugedeckelt. Will ich jetzt straight nach Hause laufen, obwohl ich müde bin, oder irgendwo im Ort noch einen Kaffee trinken? Ich komme an zwei Cafes vorbei, spüre aber keinen Impuls, ausser ganz langsam zu gehen.

Ah! Nun kann ich mich wieder spüren. Dann komme ich an einem schnuckeligen kleinen Cafe vorbei, was nur am Wochenende geöffnet hat, und das ich gar nicht auf dem Plan hatte. Alle dort sind so freundlich zu mir und meinen beiden Mäusen, ich bekomme eine Zeitung zu meinem cappuccino und wickle mich draussen vor der Tür auf der Bank in eine rote Decke ein. Lauter Leute laufen an uns vorbei und lächeln uns an. Es wird wieder friedlich in mir.

Heilung bedeutet, dass der Mensch erfährt, was ihn trägt, wenn alles andere aufhört, ihn zu tragen.

Wolfram von Eschenbach

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